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EBITDA-Multiplikatoren im deutschen Mittelstand: Was 2026 realistisch ist

Nach einem Jahrzehnt der Expansion haben sich die Multiplikatoren normalisiert. Was wir aktuell branchenübergreifend in der DACH-Region beobachten.

8. April 2026
EBITDA-Multiplikatoren im deutschen Mittelstand: Was 2026 realistisch ist

Der M&A-Markt im DACH-Raum hat eine Phase der Transformation hinter sich. Nach den turbulenten Jahren der Zinswende und der darauffolgenden Konsolidierung sehen wir 2026 ein Marktumfeld, das von Realismus und kühler Kalkulation geprägt ist. Die Ära der „Cheap Money"-Bewertungen ist endgültig vorbei – an ihre Stelle ist eine differenzierte Qualitätsbetrachtung getreten.

Die „neue Normalität" der Bewertung

Während wir im letzten Jahrzehnt oft eine „Flut hebt alle Boote"-Mentalität erlebten, ist der Markt heute deutlich selektiver. Käufer sind bereit, für exzellente Assets Spitzenpreise zu zahlen, während durchschnittliche Unternehmen mit deutlichen Abschlägen rechnen müssen.

Was hat sich 2026 grundlegend geändert?

Zinsplateau: Die Stabilisierung der Leitzinsen hat Planungssicherheit geschaffen, doch die Kapitalkosten bleiben im Vergleich zur Pre-2022-Ära hoch. Das drückt die Multiplikatoren auf ein historisch gesundes Mittelmaß.

Profitabilität vor Wachstum: Das Dogma „Wachstum um jeden Preis" ist gefallen. Heute steht die Resilienz des EBITDA und die Cashflow-Generierung im Fokus der Due Diligence.

ESG als Werttreiber: Nachhaltigkeit ist kein optionales Add-on mehr. Unternehmen ohne klare ESG-Strategie riskieren „Stranded Asset"-Abschläge von 1,0x bis 2,0x am Multiple.

Branchen-Check: Wo stehen die Multiplikatoren aktuell?

Basierend auf unseren aktuellen Transaktionsdaten in der DACH-Region lassen sich für das erste Halbjahr 2026 folgende Korridore für den Mittelstand (Enterprise Value zwischen 10 Mio. € und 100 Mio. €) skizzieren:

BrancheEV / EBITDA-MultipleTrend ggü. 2024
Software & SaaS (wiederkehrende Umsätze)9,0x – 13,0xsteigend
Gesundheitsdienstleistungen8,5x – 11,0xstabil
Energiewende & Cleantech8,0x – 10,5xsteigend
Business Services (spezialisiert)7,0x – 9,0xstabil
Industrieautomation6,5x – 8,5xstabil
Logistik & Distribution5,5x – 7,5xleicht rückläufig
Klassische Fertigung5,0x – 6,5xrückläufig
Bau & Handwerk4,5x – 6,0xrückläufig

Warum klaffen die Bewertungen 2026 so weit auseinander?

Wir beobachten aktuell eine massive Multiple-Expansion bei Technologieführern, die KI-Lösungen bereits tief in ihre Wertschöpfungskette integriert haben. Hier werden Produktivitätsvorteile direkt in höhere Margen übersetzt, was Investoren mit Aufschlägen honorieren.

Im Gegensatz dazu kämpfen klassische Fertigungsbetriebe mit hohen Energiekosten und dem Transformationsdruck. Hier sehen wir oft eine Rückkehr zu Multiplikatoren im Bereich von 5,0x bis 6,0x, sofern keine klare Spezialisierung vorliegt.

Was bedeutet das für Verkäufer?

Ein Unternehmensverkauf im Jahr 2026 erfordert eine akribische Vorbereitung. Käufer suchen heute nach:

  • Resistenten Lieferketten: dokumentierte Unabhängigkeit von kritischen Geopolitiken.
  • Digitalem Reifegrad: ein transparenter Tech-Stack, der Skalierbarkeit ohne massiven Personaleinsatz ermöglicht.
  • Management-Tiefe: Unternehmen, die nicht am Gründer „kleben", erzielen signifikant höhere Multiplikatoren.

Fazit

Der deutsche Mittelstand bleibt hochattraktiv, aber die Käuferseite ist anspruchsvoller geworden. Wer sein Unternehmen heute veräußern möchte, muss eine Equity Story präsentieren, die über das nackte Zahlenwerk hinausgeht. Die Multiplikatoren haben sich normalisiert – das bietet sowohl für strategische Käufer als auch für verkaufswillige Unternehmer eine solide und faire Basis für erfolgreiche Transaktionen.

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